About Augustine
Das Erste, was mir auffiel, war nicht das polierte Holz oder das leise Summen des Motors – es war die Art, wie die Crew sich bewegte. Um 5:45 Uhr, als der Himmel vor Padar Island noch violett gefärbt war, hatten sie das Beiboot lautlos zu Wasser gelassen, ohne ein einziges lautes Kommando. Kein Lärm, keine Verwirrung. Nur das sanfte Klatschen der Wellen und der Duft von Kaffee, der aus der Kombüse wehte. Ich stieg vom Deck der Augustine in den Tender, und während wir zur Bucht glitten, streiften die ersten Sonnenstrahlen den zerklüfteten Grat der Padar-Gipfel. Das war kein inszeniertes Schauspiel, sondern fühlte sich an wie Einblick in einen stillen, perfekt eingespielten Rhythmus.
Die Augustine ist ein 31 Meter langer Phinisi mit nur einer Kabine – das prägt von Anfang an den Charakter. Sie teilen den Raum nicht mit anderen Gästen. Es ist kein Gruppenprogramm mit Kompromissen, sondern ähnelt eher einer Privatcharter mit aufmerksamer, unaufdringlicher Crew. Die Kabine liegt mittschiffs für optimale Stabilität und bietet direkten Blick auf das Meer durch ein großes, dicht schließendes Bullauge, das auch bei Seegang nicht klappert. Die Matratze ist fest, aber nachgiebig – wichtig nach einem Tag voller Kletterpassagen über vulkanisches Gestein auf Komodo Island. Mir fielen die Details auf: der Haken neben dem Bett für meine Taucherlampe, das Lüftungsgitter, das tatsächlich Luft bewegt, ohne Geräusche zu machen, der Eimer mit Süßwasser, den die Crew leise auf dem Achterdeck bereitgestellt hatte, nachdem ich am Manta Point geschnorchelt war.
Unsere Tage entfalteten sich nach einer Logik, die sich verdient anfühlte, nicht gehetzt. Sonnenaufgang am Nordstrand von Padar, dann eine Wanderung im Trockenen mit Ranger auf Spurensuche nach Komodo-Dragons bei Loh Liang. Am Nachmittag ankerten wir in der flachen Bucht von Pink Beach, wo der Sand durch zermahlenes Korallenmaterial und Foraminiferen korallenrosa schimmert. Ich schwamm vom Strand zum Boot und zurück, während die Crew ein Mittagessen aus gegrilltem Mahi-Mahi mit Sambal Matah vorbereitete. Keine Durchsagen, keine Signale – die Mahlzeiten wurden serviert, wenn das Licht schräg fiel, oft an Deck, bei der Brise vom Meer. Bei Kalong Island beobachteten wir, wie die Flughunde bei Dämmerung aus den Mangroven aufstiegen, ein wirbelnder schwarzer Strudel vor dem orangefarbenen Himmel.
Tag Drei begann mit einer stillen Fahrt nach Taka Makassar. Der Sandstreifen taucht bei Ebbe auf – ein langer Bogen aus Weiß in türkisfarbenem Wasser. Wir wateten, trieben, machten Fotos vom Bug aus. Dann weiter nach Kanawa, wo das Riff steil in die Tiefe abfällt. Ich schnorchelte den Drop-off entlang, während ein erster Nachmittagsschauer südlich vorbeizog und die Luft kristallklar zurückließ. Das Boot nahm die Unruh im Wasser gelassen – kein Schlagen, nur ein gleichmäßiges Heben und Senken. Zurück an Deck, schmeckte ein kaltes Bintang und frisch geschnittene Papaya wie der verdiente Lohn. Die Augustine hat keinen Fitnessraum, keinen Spa – aber etwas Seltenes: die Fähigkeit, sich mit Anmut und Präzision durch diese Landschaft zu bewegen.
Was bleibt, ist die stille Kompetenz. Um 7 Uhr stand der Kaffee bereit. Um 16:30 Uhr lagen die Schnorchelausrüstungen mit nach außen zeigenden Flossen am Ausstieg bereit. Kein Aufhebens. Das Boot verbringt die Nächte stets vor Anker – vor Sebayur, in Komodo Bay oder nahe Kanawa – niemals im Hafen, außer auf der Rückfahrt. Sie erwachen zum Geräusch des Wassers am Rumpf, nicht zu Generatoren oder Hafengeräuschen. Es ist ein Rhythmus, der sich am natürlichen Puls des Parks orientiert. Und am letzten Morgen merkte ich: Ich wollte, dass er nicht endet.










