About Mega Trusmi
Der erste Eindruck war das leise Abschwellen des Motors im Morgengrauen, dann der Duft von starkem Kaffee, der aus der Kombüse nach oben zog. Ich trat auf das Sonnendeck, gerade als der Himmel hinter Kelor Island peachfarben anlief und das Wasser glatt wie Glas war. Es fühlte sich unwirklich an – als wären wir das einzige Boot im gesamten Archipel. Bei 88 Metern Länge wirkte die Mega Trusmi nicht wie ein typischer Liveaboard: Sie bewegte sich ruhig, geschmeidig, und bot Platz, der uns alle überraschte. Elf Gäste waren wir insgesamt, verteilt auf fünf Kabinen – doch das merkte man kaum. Überall gab es Rückzugsorte: eine Ecke mit Buch, einen Platz zum Starren auf die vorbeiziehenden Felswände.
Der erste volle Tag begann vor Sonnenaufgang, vor Anker nahe Padar. Wir stiegen den östlichen Pfad hinauf, während die Sonne über die Hügel kroch und die gewellten Buchten in Gold- und Rosttönen flutete. Oben angekommen, wurde es still – niemand spricht viel dort oben, nur gelegentlich ein tiefer Atemzug, das Klicken eines Auslösers. Nach dem Frühstück an Bord ging es weiter nach Komodo Island, zur Wanderung mit den Drachen. Der Ranger trug einen Gabelstab, doch die großen Männchen bewegten sich träge, fast gleichgültig in der Sonne neben der Station. Danach Pink Beach: Wir schwammen nahe dem Ufer, wo der Sand seine Farbe herhat, und ich fand ein winziges Fragment rosafarbenen Koralls, glatt wie Kreide, in meiner Badehose.
Manta Point am Nachmittag. Die Strömung war schwach, und innerhalb von Minuten umkreisten uns zwei Mantas, einer mit ausgefranstem Schwanz, der andere makellos breit. Fast zehn Minuten trieben wir mit ihnen, bis die Crew uns zurückwinkte – nächste Station: Kalong Island. Bei Dämmerung erreichten wir sie, fuhren mit dem Kanu in den Mangrovenkanal, gerade als der Himmel violett wurde und Tausende von Flughunden über uns aufstoben, ein wirbelnder schwarzer Strudel im Zwielicht. Zurück an Deck wurde die Karaoke-Maschine angeworfen. Niemand sang besonders gut, aber die Mischung aus warmer Brise, Bintang-Bier und miserablen Versionen von ‚Bohemian Rhapsody‘ ergab eine jener Nächte, die man nicht plant, aber nie vergisst.
Tag drei begann mit einer Überraschung: Taka Makassar, auch Banded Sea Snake Reef genannt. Seeschlangen sahen wir keine, doch das Riff war dicht besiedelt mit Papageifischen und Riesenmuscheln. Die Sichtweite betrug über 20 Meter. Danach Kanawa Island, wo wir ein letztes Mal im flachen Wasser schwammen, bevor es langsam zurück nach Labuan Bajo ging. Die Crew servierte frische Mangoscheiben an Deck, während die Hafenlichter langsam näher kamen. Was blieb, war nicht nur die Tierwelt oder die Aussichten, sondern wie die Mega Trusmi selbst Komfort und Authentizität balancierte – geräumig, ja, aber niemals aufdringlich. Der Innenbereich war bei Regen ein gemütliches Zuhause, das Sonnendeck unser natürlicher Wohnraum.










