About Anne Bonny
Am ersten Abend, kurz nachdem wir den Anker von Labuan Bajo gelichtet hatten, griff der Wind in das Großsegel – ein sanftes Knallen. Ich stand allein auf der Bugplattform und sah zu, wie der Himmel sich hinter der Silhouette von Rinca in tiefes Indigo färbte. Die Crew sprach nicht. Sie hatten bereits eine gepolsterte Lounge-Ecke mit Leinentuch und einer Karaffe Eiszitronengras-Tee vorbereitet. Diese Stille – bewusst, respektvoll – verriet mir mehr über die Anne Bonny als jeder Prospekt es könnte.
Bei 30 Metern Länge bewegt sie sich, als wäre sie älter, als ihr Baujahr vermuten lässt. Ihr Rumpf teilt die Dünung der Savu-See klar und ruhig, und am zweiten Morgen, als wir vor Tagesanbruch Padar ansteuerten, schnitt der Bug durch biolumineszente Spuren, die von Tintenfischen hinterlassen worden waren. Kein Motorenlärm – nur Segel, das Knarren von Teak und gelegentliche Zurufe zwischen den Deckmännern. Wir ankerten an der Nordwestflanke von Padar, das einzige Schiff in Sicht. Bei Sonnenaufgang leuchteten die rosa-ocherfarbenen Hänge wie Kulissen auf einer Bühne, und der Abstieg zum Strand fühlte sich an, als betrete man ein Foto, das sonst niemand je gesehen hat.
Die Einzelkabinen-Konfiguration verändert alles. Sie teilen keinen Raum, nicht einmal gesellig, wenn Sie nicht möchten. Mahlzeiten werden auf dem Oberdeck zu Ihrer gewünschten Zeit serviert – Frühstück mit Bananenpfannkuchen und Palmzucker, während wir zwischen Kanawa und Nusa Kode trieben. Die Crew antizipierte Bedürfnisse, ohne aufdringlich zu sein: ein kaltes Tuch nach dem Komodo-Drachen-Spaziergang, eine zusätzliche Schnorchelmaske, bereits gespült und am Tauchbrett bereitgelegt. Sie wussten, dass sich die Strömung bei Manta Point um 10:42 Uhr ändern würde – und passten unsere Ankunft auf die Minute ab.
Am letzten Morgen ankerten wir bei Taka Makassar. Bei Ebbe tauchte die Sandbank auf, eine lange, blendend weiße Biegung. Ich schwamm hinaus, stand im Wasser bis zur Taille und drehte mich langsam um – keine Boote, keine Stimmen, nur die Anne Bonny im Anker, ihre Segel eingerollt wie Flügel. Der Skipper erzählte mir später, dass sie die überfüllten Ankerbuchten am Pink Beach meiden und wenn möglich Sebayur bevorzugen. Diese Art von Diskretion ist nicht Standard. Deshalb kehren Gäste immer wieder zurück.
An Bord fiel das Nachmittagslicht genau um 18 Uhr schräg über das Teakdeck und wärmte die Messingbeschläge. Da bemerkte ich, wie alle Luken mit Lederschnüren statt Metallklammern gesichert waren – kleine Designentscheidungen, die sich summieren. Dies ist kein schwimmendes Hotel. Es ist ein Segelschiff mit Geschmack, Zurückhaltung und einer Crew, die das Meer wie einen Gastgeber behandelt, nicht wie Kulisse.










