About Bhavana
Am ersten Morgen wachte ich vor Sonnenaufgang auf, das leise Knarren von Bhavanas Teakholzrahmen im Wellengang im Ohr. Auf dem Oberdeck reichte mir ein Crewmitglied süßen, kräftigen Kaffee, gerade als der Himmel über Wayag von Kohlegrau zu Rosé wechselte. Wir lagen in einer glatten Bucht vor Anker, kein anderes Boot in Sicht – nur gelegentlich ein platschender Tintenfisch. Ich dachte: So sollte man Raja Ampat erleben – langsam, still und mit dem Gefühl, nirgendwo sonst sein zu müssen.
Drei Tage lang durchquerten wir den nördlichen Archipel – Wayag, Arborek, die Dampier Strait. Jeder Tauchplatz hatte seinen eigenen Rhythmus. Bei Cape Kri trieben wir entlang einer Wand, so dicht besiedelt mit Fusiliers und Sweetlips, dass ich die Zeit vergaß. Die Crew plante die Tauchgänge perfekt: warme Handtücher an Deck, stets erfrischendes Wasser griffbereit. Eines Nachmittags, nach zwei Tauchgängen nahe Mioskon, ankerten wir in einer winzigen Bucht vor Arborek Island. Eine lokale Familie näherte sich im Einbaumkanu und verkaufte frisch aufgebrochene Kokosnüsse. Wir schwammen direkt vom Achterdeck ins Wasser, während der Himmel violett wurde.
Bhavana selbst wirkte wie eine stille Verlängerung des Meeres. Mit 48 Metern bot sie Platz, ohne leer zu wirken. Die Lounge auf dem Oberdeck war mein Lieblingsplatz – tiefgestellte Liegen, keine Sichtblenden. Nach dem Abendessen lag ich dort mit einem Buch, während die Crew unten leise die Tische abräumte. Unsere Kabine lag im vorderen Bereich des Hauptdecks, mit großem ovalem Bullauge zum Wasser, die kühle Luft der Klimaanlage milderte die Wärme der Nacht. Die Staufächer waren tief in die Schiffswand eingelassen – durchdacht, nicht aufdringlich.
Eines Morgens erreichten wir einen Grat in der Dampier Strait und trieben über eine Gruppe Wobbegongs, die wie uralte Schriftrollen im Sand lagen. Ein Manta glitt auf Augenhöhe vorbei, Mund geöffnet, Kiemen pulsierend. Der Tauchguide erzählte später, es sei ein Stammgast – die Einheimischen nennen sie M007. Zurück an Bord gab es gegrillten Mahi-Mahi mit Jackfruit-Sambal, serviert auf handgefertigten Keramiktellern. Nichts wirkte überinszeniert. Selbst die Sicherheitsbriefings waren präzise, auf Englisch und Bahasa, niemals theatralisch. Unser Trip endete am berühmten Aussichtspunkt von Wayag – der Aufstieg ist steil, aber es lohnt sich. Von oben sahen die Kalksteinfelsen aus, als wären sie willkürlich aus dem Himmel gefallen, umgeben von Riffen, deren Farben unter der Oberfläche leuchteten.










