About Azure
Das Erste, was mir auffiel, war die Stille. Wir hatten den Hafen von Waisai um 6:30 Uhr verlassen, und innerhalb weniger Minuten glitt die Azure durch das stille Wasser zwischen Wayag und Piaynemo, ohne nennenswerte Bugwelle. Kein Motorenlärm, keine zuklappenden Kabinentüren – nur der Skipper, der die Drehzahl regulierte, während das Morgenlicht die Kalksteinspitzen von Grau zu Gold färbte. Ich saß auf der vorderen Sitzbank, barfuß auf dem kühlen Teak, und trank den Ingwertee, den man für uns vorbereitet hatte. Es fühlte sich weniger wie eine Tour an, sondern eher, als würde man in ein Geheimnis eingeweiht.
Zuerst ankerten wir am Rand der berühmten Aussichtsbucht von Wayag. Der Aufstieg ist steil, gesäumt von Wurzeln und Seilen, doch oben bleibt einem der Atem weg. Die Bucht ist ein Labyrinth aus Türkis und Smaragdgrün, gesprenkelt mit winzigen, bewaldeten Inseln, die wie Croissants geformt sind. Eine Stunde verbrachten wir dort, danach schnorchelten wir am Außenriff unterhalb des Hügels. Die Strömung war mild, das Korallenriff dicht bewachsen, voller Papageifische und einem einzelnen Wobbegong-Hai, der sich unter einem Überhang versteckte. Die Azure kam nahe genug heran, um uns eine Leine zuzuwerfen, dann fuhr sie langsam entlang der Rifflinie, während wir trieben.
Zur Mittagszeit erreichten wir das Herz des Dampier Strait. Zwischenstopp am Arborek-Jetty – ein schlichter Holzsteg, der ins Blau ragt. Wir folgten dem schmalen Pfad durch das Dorf. Kinder winkten aus Türeingängen, ein Ältester bot uns Meeres Trauben in Bananenblättern an. Danach ein kurzes Schnorcheln am Strand, wo das Gefälle schnell abfällt und man neben Papageifischen so groß wie Hauskatzen schwimmt. Das Boot wartete knapp vor der Küste, die Kühlbox geöffnet, mit eisgekühlter Ananas und kühlen Tüchern für uns.
Am späten Nachmittag kam die schönste Überraschung: ein spontaner Halt auf einem versunkenen Sandriff zwischen Kri und Pianemo. Keine Markierungen, keine Schilder – der Skipper schaltete einfach den Motor ab und sagte: ‚Hier ist gut.‘ Wir waren die Einzigen. Das Wasser reichte bis zur Hüfte, kristallklar, sodass man die Muscheln unter den Füßen zählen konnte. Wir trieben, unterhielten uns, beobachteten, wie der Himmel rosa wurde. Die Azure, in tiefem Marineblau mit silbernen Akzenten lackiert, sah aus wie ein echtes Entdeckerschiff, das an einem Korallenriff vertäut war. Auf dem Rückweg sahen wir zwei Dugongs nahe der Oberfläche – langsame, dunkle Formen im Seegras. Kein Trubel, keine Menschenmenge. Nur ein Moment, der ganz uns gehörte.










