About Emperor Harmoni
Das erste Licht drang durch das Bullauge mit einem sanften Blau, das Summen des 48 Meter langen Rumpfs schnitt durch die ruhigen Gewässer zwischen Waigeo und Gam. Ich trat barfuß auf das Deck, das Holz noch kühl von der Nacht, und beobachtete fliegende Fische, die vor dem Bug davonhuschten. Kein Stress, keine Menschenmassen – nur die sanfte Bugwelle hinter uns, während wir uns Arborek Jetty näherten. Das erste Tauchbriefing fand bei frischem Papaya und Toast im Innenbereich des Esszimmers statt, die Crew nannte uns bereits beim Namen.
Gestartet sind wir bei Cape Kri, wo uns die Strömung sanft an der Wand entlangschob, als würde uns etwas Unsichtbares führen. Tausende Anthias wirbelten über dem Hartkorallenriff, und ich verlor den Überblick, wie viele Riffhaie ich gesehen hatte. Zurück an Bord erwarteten uns auf dem Sonnendeck kalte Tücher und Gurkenwasser unter einem schattenspendenden Segeltuch. Am Nachmittag machten wir Halt in Arborek Village, wo Kinder von den Pfahlhäusern winkten. Wir schnorchelten über das Riff vor der Küste – mein erster Pygmy-Seepferdchen, nicht größer als ein Reiskorn, klammerte sich an einen Gorgonienfächer.
Zum Abendessen gab es gegrillten Mahi-Mahi mit Jackfruit-Sambal, serviert an langen Gemeinschaftstischen im klimatisierten Speisesaal. Später probierten einige von uns den Karaoke-Raum aus – schräge Versionen von 90er-Hits hallten durch den Gang, während andere unter Deckbeleuchtung Karten spielten. Am nächsten Morgen ankerten wir in der Dampier Strait, das Wasser war durch nächtliche Winde unruhig. Bei South Mansuar betrug die Korallenbedeckung fast 100 % – ich schwebte über Tischkorallen so groß wie Esstische, unter einer lag ein Wobbegong-Hai wie zum Nickerchen zusammengerollt.
Eines Nachts, vor Anker nahe Wayag, blieb ich bis nach Mitternacht auf dem Oberdeck. Keine Stadtlights, keine Flugzeuge – nur die Milchstraße, gespiegelt im schwarzen Wasser, und gelegentlich ein biolumineszenter Funke, wenn ein kleiner Fisch die Oberfläche durchbrach. Der Drifttauchgang am nächsten Tag bei Melissa’s Garden fühlte sich an wie Fliegen: Weichkorallen schwangen im Rhythmus, Schwärme von Batfish teilten sich vor uns. Wir tauchten nahe dem Beiboot auf, und die Crew reichte uns eiskalte Zitronengrasgetränke, bevor wir an Bord gezogen wurden.
Am letzten Morgen besuchten wir eine Stammesfamilie in der Nähe von Sawinggrai. Ein Ältester zeichnete Molo-Muster in den Sand und erklärte deren Bedeutung in gebrochenem Englisch. Auf dem Rückweg saß ich am Bug und beobachtete, wie Delphine die Druckwelle ritten. Die Emperor Harmoni meisterte die offene Strecke souverän – kein starkes Schaukeln, nur ein gleichmäßiges Gleiten. Als wir in Sorong anlegten, fühlte es sich nicht an, als wäre die Reise zu Ende, sondern vielmehr als wäre sie nur pausiert – als hätte der Rhythmus des Meeres unsere Zeitwahrnehmung neu justiert.










