About Sea Safari 6
Der erste Eindruck war nicht das Tauchequipment auf dem polierten Teakholz, auch nicht der Sonnenaufgang über den zerklüfteten Inseln von Wayag – es war die Stille. Um 05:30 Uhr, mit abgestellten Motoren und nur dem leisen Klatschen des Wassers am Rumpf, hatte die Crew die Sea Safari 6 bereits perfekt unter einem Himmel positioniert, der in Korallen- und Violettstreifen leuchtete. Kein Geschrei, kein Klirren. Neben mir erschien ungefragt eine Thermoskanne mit starkem javanischen Kaffee. So tickt dieses Schiff: präzise, unaufdringlich, tief im Rhythmus von Raja Ampat verankert. Mit 36 Metern ist sie nicht die größte der Flotte, doch ihre sechs Kabinen und die Kapazität für 20 Gäste sorgen für Intimität ohne Enge.
Nach dem Frühstück ging es los – Tauchgang am Cape Kri. Der Einstieg war sofort möglich, kein langer Schwimmweg dank der innerhalb weniger Minuten ausgefahrenen Tauchplattform. Die Wand stürzte ins Blau ab, gesäumt von Fischschwärmen so dicht, dass sie das Licht dämpften. Allein auf diesem einen Tauchgang zählte ich sieben Wobbegong-Haie, in Felsspalten zusammengerollt wie uralte Teppiche. Das Tauchteam der Sea Safari 6 kennt die Gewohnheiten der Spots: wo die Strömung anhebt, wo die Zwergseepferdchen an Seefächern in 22 Metern Tiefe haften. Zwischen den Tauchgängen warteten auf dem Oberdeck kalte Tücher und frische Ananas. Im schattigen Salon lagen Fisch-Identifikationsbücher bereit – mit handschriftlichen Anmerkungen der lokalen Crew in Bleistift.
Jeden Abend wechselte der Ankerplatz. Eine Nacht lagern wir vor Arborek, nah genug, um vor Sonnenuntergang das Lachen der Kinder vom Ufer zu hören. Eine andere Nacht mitten im Dampier Strait, wo das Wasser vor Plankton glühte, sobald der Mond aufging. Die Mahlzeiten wurden familienartig serviert: gegrillter Mahi-Mahi vom Nachmittag, frisch gemachter Sambal jeden Morgen, Papaya aus Sorong. Keine Buffetlinie, kein Plastik in Sicht – nur Keramikteller und Metallstrohhalme. Um 22:00 Uhr schaltete sich der Generator ab, ersetzt durch batteriebetriebene Deckslampen, die kein Licht ins Wasser warfen.
Die Master Cabin im Bug des Unterdecks verfügt über eine eigene Tür zur Tauchplattform – ideal für Fotografen, die früh starten müssen. Doch selbst die Standardkabinen, alle mit eigenem Bad und echten Lüftungsgittern statt bloß Ventilatoren, blieben kühl in der Nacht. Ich beobachtete, wie die Crew jeden Morgen die Ankerkette von Hand schrubbte – ein Ritual, das viele Boote überspringen. Am dritten Tag, als wir an Misool’s Nudi Rock auftauchten, glitt ein Manta unter uns hindurch, sein Schatten tanzte über die Korallenblöcke. Niemand an Bord rief laut. Sie hatten es schon gesehen. Und wussten, es würde wiederkommen.










