About Leyla
Der erste Eindruck war der Geruch von warmem Teak und salziger Luft. Ich trat kurz nach Sonnenaufgang auf das Deck der Leyla, in eine dünne Decke aus der Kabine gehüllt, und beobachtete, wie das goldene Licht über den grünen Hang von Kelor strömte. Der Skipper stand bereits am Bug und deutete auf eine Bewegung im Kanal – ein junger Schwarzspitzenriffhai, der entlang der Gezeitenlinie glitt. Kein inszeniertes Spektakel, sondern ein Moment, der einfach so geschah, still und ungekünstelt, noch vor dem Frühstück. Damit war der Ton für die gesamte Reise gesetzt: authentisch, ungezwungen und stets überraschend.
Den ersten Nachmittag verbrachten wir auf Menjerite, einer winzigen Insel mit einem geschwungenen Strand, als wäre sie für Postkarten entworfen. Das Wasser war kühl und so klar, dass man jeden Kiesel unter den Füßen erkennen konnte. Beim Schnorcheln am Außenriff, wo die Strömung zunahm, entdeckte ich einen Schwarm Seifehechte, übereinandergestapelt wie silberne Münzen. Am Abend aßen wir gegrillten Mahi-Mahi mit scharfem Sambal an Deck, während die Leyla sanft schaukelte und die Sonne hinter Padar verschwand. Wir waren zu elft – sechs Gäste, fünf Crew – und trotzdem wirkte das Schiff niemals eng, selbst wenn alle gemeinsam den Himmel in Purpurlila beobachteten.
Tag zwei begann mit einer ruppigen Überfahrt zu Padar vor Sonnenaufgang. Der Aufstieg ist steil, doch der Blick von oben im ersten Licht – diese zerklüfteten Kämme, die durch den Morgennebel schneiden – lohnte jeden Atemzug. Wir stiegen zur darunterliegenden Bucht ab, der Sand noch kühl unter den Sohlen, dann fuhren wir weiter nach Komodo Island, wo uns ein Ranger durch das Revier der Komodo Drachen führte. Ein ausgewachsener Bulle querte direkt vor uns den Pfad, mit schleppendem Schwanz und leicht geöffnetem Maul. Am Nachmittag folgte reine Freude: Schwimmen am Pink Beach, wo der Sand tatsächlich unter bestimmtem Licht rosa schimmert, danach trieben wir über Manta Point und sahen Schatten unter uns gleiten. Zwei Mantas kamen nah genug heran, um die Flecken auf ihren Bauchseiten zu erkennen.
Unser letzter voller Tag begann früh mit der Fahrt nach Taka Makassar. Der Sandbank bildete sich bereits, als wir eintrafen, erstreckte sich wie eine helle Zunge zwischen türkisfarbenen Zonen. Wir schwammen hinaus, wo die Strömung wirbelte, und sahen eine grüne Meeresschildkröte, die Seegras abgraste. Kanawa war ruhiger, mit Korallen, die schon von der Oberfläche aus sichtbar waren. Der Skipper ankerte im Windschatten der Insel, und wir verbrachten eine Stunde damit, faul zu treiben, die Flossen lässig kreisend. Zurück an Bord öffnete jemand ein Bintang, und wir teilten frische Ananasscheiben, während der Motor uns langsam in Richtung Labuan Bajo trug. Keine laute Musik, kein Zeitdruck – nur ein sanftes Gleiten über ein spiegelglatte Meer.
Die einzige Kabine der Leyla ist kompakt, aber durchdacht gebaut. Zwei Einzelbetten mit festen Matratzen, ein kleines Lüftungsfenster auf Meereshöhe und ein privates Bad mit Kaltwasser-Druckdusche. Stauraum war knapp – ich musste meinen Drybag unter dem unteren Bett verstauen – doch die Crew hielt den Bereich makellos sauber. Die Gemeinschaftsbereiche wirkten großzügig: das schattierte Achterdeck für Karten und Pausen, der vordere Lounge-Bereich, ideal für den Morgentee. Die Crew bewegte sich leise, erahnte Wünsche, ohne aufdringlich zu wirken. Eines Abends breiteten sie Matten auf dem Oberdeck aus, damit wir unter den Sternen schlafen konnten – eine Geste, die niemand erbeten hatte, die aber alle begeisterte.










