About Ombak Biru
Am ersten Morgen wachte ich vor Sonnenaufgang auf, umgeben vom leisen Knarren des Teaks und dem sanften Klatschen der Wellen am Rumpf. Barfuß trat ich auf das Deck, in eine dünne Decke gehüllt, und beobachtete, wie der Himmel über Wayag hinter den Kalkfelsen zu leuchten begann. Kein Gedränge, keine Hektik – nur die Ombak Biru, das Wasser und der langsame Beginn eines neuen Tages. Das Gefühl war nicht das einer Yacht, sondern das eines stillen Beobachters in einer Welt, die noch nicht erwacht war.
Am Vorabend hatten wir in Sorong an Bord gegangen, nach einer kurzen Fahrt vom Flughafen. Die Crew – 18 Mitglieder für nur 16 Gäste – arbeitete mit unaufdringlicher Präzision: Gepäck wurde getragen, kühle Tücher und frische Limettenwasser gereicht. Man führte mich zu meiner Kabine, einer von acht, im Unterdeck. Sie war kompakt, aber durchdacht gestaltet: echtes Holz, ein ordentlicher Kleiderschrank, dicke Baumwollbettwäsche und ein eigenes Bad mit durchgängig heißem Wasser. Die Klimaanlage summte gerade so viel, dass man sie bemerkte – und dann vergaß.
Unsere Tage entwickelten sich in einem Rhythmus, der zugleich geplant und ungezwungen wirkte. Eines Morgens ankerten wir im Dampier Strait. Um 6:30 Uhr waren wir bereits im Wasser bei Cape Kri. Die Strömung war kräftig, doch der Tauchguide gab eine klare Einweisung mit vertrauten Handzeichen. Ich schwebte über Korallenwände, so dicht besiedelt, dass sie wie bewegter Stoff wirkten – Barrakudas, Pygmy-Seepferdchen, Wobbegongs in den Spalten. Abends trafen wir uns auf dem Oberdeck. Keine laute Musik, nur gedämpftes Gespräch und gelegentliches Lachen. Einmal zeigte uns der Kapitän die Sternbilder, während wir Gewürztee tranken.
Am zweiten Tag ging es nach Misool. Die Landschaft veränderte sich – kleinere Inseln, türkisfarbene Lagunen, alte Felsmalereien an den Höhlenwänden über der Gezeitenlinie. Wir schnorchelten bei Nusa Laurem, wo das Korallenriff so üppig wuchs, dass es fast künstlich wirkte. Zurück an Bord stand bereits das Mittagessen: gegrillter Mahi-Mahi, Kokosreis und Papaya. Die Crew merkte sich, wer Kaffee trank und wer entkoffeiniert wollte. Einer der Deckarbeiter, Pak Wayan, erzählte Geschichten über Überfahrten in der Monsunzeit, seine Hände vollführten die Bewegung der Wellen.
Der letzte Tauchgang führte uns zum Arborek Jetty. Bei fünf Metern blieb ich hängen, beobachtete, wie Blau-Rippenaale in der Strömung schwankten. Ein gefranster Wobbegong glitt unter den Pfählen hindurch. An Bord reichte man warme Handtücher und frische Ananas. Niemand hatte es eilig, die Koffer zu packen. Selbst auf einer dreitägigen Reise dehnte sich die Zeit. Am nächsten Morgen stiegen wir in Waisai aus, direkt nach dem Frühstück. Die Crew stand in einer Reihe und winkte. Mir wurde klar, dass ich mein Handy seit 60 Stunden nicht einmal gecheckt hatte.










